Beitrag: Jeder zweite Patient ist später “Nachtblind”

”Risiko der Patienten vorher schwer zu ermitteln”
Patienten klagten hinterher über starke Blendungen, Doppelbilder oder Über- und Unterkorrekturen des Auges, die sich nicht immer durch eine weitere Operation beheben lassen. „In zirka 50 % der Fälle werden die Patienten hinterher Probleme mit dem Autofahren bei Nacht haben“, warnt Peter Hering vom Institut für Lasermedizin an der Universität Düsseldorf. „Ich finde es ziemlich unverantwortlich, was da ohne ausreichende Aufklärung gemacht wird.“ Nicht immer eigne sich ein Patient für eine Laseroperation. So gebe es Menschen, deren Hornhaut nach einem Eingriff schlecht verheile, und es komme zu Entzündungen oder gar Wucherungen. Das Problem sei, das Augenärzte diese Risikopatienten oftmals gar nicht vorab identifizieren könnten. In immerhin 7 % der Fälle gebe es sogar „ernste Komplikationen“, sagt Hering.

Problematisch werde es beispielsweise, wenn die Hornhaut durch das Abschleifen zu dünn wird. „In vielen Fällen wird die Dicke der Hornhaut überhaupt nicht ausgemessen, obwohl es hervorragende Methoden wie die optische Kohärenztomographie gibt“, sagt Laserexperte Hering, „und das ist fahrlässig.“ Ebenfalls bedeutsam sei die Größe der Pupille: Ist sie zu groß, erhöhe sich das Risiko einer postoperativen Blendung.

„Je besser ein Augenarzt ,nein’ sagen kann, desto geringer ist seine Fehlerquote“, sagt Georg Mehrle, Sprecher des Berufsverbandes der Augenärzte. Doch genau das sei das Problem: Damit sich die teuren Lasergeräte amortisieren, führen einige Augenärzte immer wieder Operationen durch, die jenseits der Toleranzgrenze liegen. „Bei vielen privaten Laserzentren – aber nicht nur bei diesen – habe ich Sorge, dass merkantile Gründe wichtiger sind als medizinische“, sagt Christian Ohrloff, Direktor der Universitätsaugenklinik in Frankfurt/M.